One-Billion-Was?

Ein paar kurze Gedanken zur Aktion „One-Billion-Rising“

Vor kurzem war es wieder soweit. Am vergangenen Samstag endeten die alljährlichen Debatten rund um den Valentinstag. Ist dieses Datum nun ein wichtiger Festtag für Paare, oder eine reine Kommerzveranstaltung? Über Wochen wurden wir alle mit entsprechender Werbung, meist mit übergroßen, grell-roten Herzen konfrontiert und konnten uns zur Bedeutung des 14. Februar unsere ganz eigenen Gedanken machen. Jede und jeder mag hier sicherlich ihre bzw. seine eigene Antwort haben. Doch diese Frage soll mich hier gar nicht im Kern beschäftigen. Denn für eine Vielzahl an Menschen überall auf der Welt, darunter zum Glück nicht nur Frauen, hat der 14. Februar noch eine weitere Bedeutung neben dem Valentinstag. Denn dieser Tag ist auch der finale Tag der Kampagne „One-Billion-Rising“.

Unter dem Motto „strike – dance-rise“ erhebten sich am vergangenen Samstag zum dritten Mal weltweit Menschen um gegen Gewalt an Frauen einzutreten und Gleichstellung sowie Gleichberechtigung einzufordern. Veranstaltungen wie Flashmobs oder Demos fanden hierzu unter anderem in Indien, Japan, Australien, Afghanistan, Nepal und Sambia statt. Insgesamt gab es in über 190 Ländern auf der Welt Aktionen – nur dreieinhalb Jahre nach der Gründung der Initiative ist dies einfach nur großartig!

Foto: Jens Rösler

Foto: Jens Rösler

Auch Menschen in verschiedenen Städten in Sachsen-Anhalt waren mit dabei. So wurde hier unter anderem in Stendal, Bitterfeld-Wolfen, Halle und Magdeburg getanzt und ein Ende der Gewalt gegen Frauen eingefordert.Oft kamen dabei mehrere hundert Menschen zusammen und prägten so für einige Zeit das Bild der öffentlichen Orte an denen die Aktionen stattfanden.

Dies ist insofern wichtig, als dass es nicht nur von verschiedenen Medien als wichtiges, Berichtens wertes Ereignis aufgenommen wurde, sondern auch zufällig anwesende Passanten interessierte. So kam eine Vielzahl toller, interessanter Gespräche zu standen, in denen die Ziele der Aktionen thematisiert wurden. Viele Menschen, ob jüngere oder ältere zeigten sich dabei absolut begeistert von der Aktion. Einige Male wurde dabei jedoch auch eher provokant gefragt, was das hier eigentlich solle. Ab und an hieß es dann, man(n) würde seine Frau doch gar nicht schlagen. Oder „Hier ist das doch kein Problem.“ Auch ein nicht ganz selten zu vernehmendes „in Deutschland ist doch alles gut und gleichberechtigt“ war zu vernehmen.

Foto: Jens Rösler

Foto: Jens Rösler

Natürlich kann es sein, dass der einzelne Mensch in seinem Umfeld keine Probleme mit Gleichberechtigung hat bzw. wahrnimmt und seine/ihre Partner_in nicht schlägt. Umso besser, wenn es wirklich so wäre. Dennoch ist die Annahme, dass Gewalt in Deutschland kein Problem sei leider auch in 2015 noch immer falsch. Verschiedene Studien, unter anderem eine aus 2014 von der Europäischen Union, belegen leider eine andere, traurige Wahrheit. Allein im immer so modern wirken wollenden Europa erlebt jede dritte Frau in ihrem Leben häusliche Gewalt oder eine Vergewaltigung. Das kann nicht sein. Das ist kein Zustand, den wir einfach so akzeptieren können! Ein „es betrifft mich nicht“ ist hier zu wenig!

Daher ist es wichtig, dass Thema immer und immer wieder ins Zentrum zu Rücken und öffentlich zu thematisieren. Deutliches Hinweisen, auf dieses Problem und das Veröffentlichen von Anlaufstellen kann hier unterstützen. Daher ist „One-billion-rising“ so wichtig. Und schon alleine, in einem öffentlichen Raum mit einem fremden Menschen über die Nicht-Akzeptanz von Gewalt zu sprechen und seine Zustimmung zu erhalten kann helfen. Daher ist diese Aktion überall auf der Welt auch in Deutschland wichtig. So lange es Gewalt gegen Frauen gibt, so lange Gleichstellung ein Ziel und kein ist-Zustand ist, so langen müssen Menschen mit derartigen Aktionen in die Öffentlichkeit gehen.

Daher ist der 14.02. für mich, und nicht nur für mich, auch weiterhin ein politischer Tag!

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