MAGDEBURG, 16.Januar 2010: Rund 1.000 Angehörige der rechtsextremen Szene nahmen am Samstag, dem 16 Januar am Gedenkmarsch anlässlich des 65. Jahrestag der Bombardierung Magdeburgs teil. Bundesweit dazu eingeladen hatte im Vorfeld die rechtsextremistische „Initiative gegen das Vergessen“, in Zusammenarbeit mit der NPD und der JN Sachsen-Anhalt. Wie schon seit Jahren, versucht die organisierte rechte Szene die Opfer der Bombardierung und die Zerstörung Magdeburgs am Ende des zweiten Weltkrieges für ihre Zwecke umzudeuten und zu verklären. Eine notwendige Differenzierung und Einordnung der Bombardierung im grausamen Gesamtkontext des Krieges; wurde auch dieses Mal wieder mit Absicht außer acht gelassen.
Auf der Gegenseite formierten sich daher über 5.000 BürgerInnen, um im Rahmen einer „Meile der Demokratie“ gegen diesen Geschichtsmissbrauch ein Zeichen zu setzen. Aufgerufen hatte dazu, genau wie im letzten Jahr das örtliche „Bündnis gegen Rechts“ in Kooperation mit der Stadt Magdeburg. Auf dieser zweiten Meile der Demokratie stellten sich Insgesamt 115 Gruppen vor. Darunter die Kirchen, Sportvereine, die Jugendfeuerwehr und nicht zuletzt auch die Parteien. Die SPD war hierbei mit einem gemeinsamen Stand des SPD-Stadtverbandes Magdeburg und des Juso-Landesarbeitskreis gegen Rechtsextremis-mus vertreten. Rückendeckung gab es zudem durch den Juso-Landesvorstand und der Juso-Hochschulgruppe Magdeburg.
Wie im letzten Jahr stand für die ca. 20 engagierten Genossen das Ziel im Vordergrund, interessierte Bürger mit umfangreichen Material über Rechtsextremismus in Sachsen-Anhalt zu informieren und zu sensibilisieren. Unter anderem erstellte der Juso-LAK gegen Rechts eigens einen regionalen Informationsflyer, der die Situation in Magdeburg und Sachsen-Anhalt beleuchtet:
So gehören nach Angaben des aktuellen Verfassungsschutzberichtes in Magdeburg ca. 40-50 Personen der organisierten rechten Szene an. In ganz Sachsen-Anhalt zählte der Verfassungsschutz im Jahr 2008 1.285 Rechtsextremisten. 280 davon in Parteien (darunter die NPD mit 250 Mitgliedern), 240 Neonazis, 800 gewaltbereite Extremisten und 30 Personen in sonstigen Vereinigungen. Das sind immerhin 115 Personen weniger als noch 2007. Bis in das dritte Quartal 2009 wurden 744 Straftaten und 25 Gewaltstraftaten mit rechtsextremen Hintergrund in unserem Bundesland registriert
Dadurch, dass sich die „Meile der Demokratie“ vom Opernhaus bis zum Hasselbachplatz, also quer durch die ganze Innenstadt erstreckte, gelang es auch dieses Jahr wieder die Rechtsextremen weitestgehend aus der Magdeburger Innenstadt fern zu halten. Stattdessen wurden sie auf eine eher unattraktive Route vom Hauptbahnhof, vorbei am Innenministerium bis hin zum Bahnhof Buckau geleitet. Zu kurzen Komplikationen im Demonstrationsablauf kam es, als ein Teil der rund 450 Demonstranten aus der linken Szene versuchte den Nazi-Aufmarsch in der Nähe des Hasselbachplatzes zu stoppen. Die Polizei mit gut 1.200 Beamten aus fünf Bundesländern vor Ort, griff daraufhin durch und unterband den Versuch.