Blog-Beitrag über die US-Präsidentenwahl

Es ist jetzt knapp eine Woche her, seit die Präsidentenwahl in den Vereinigten Staaten von Amerika so ganz anders ausgegangen ist als von uns erwartet. Bis um 3 Uhr nachts habe ich im Aufenthaltsraum der Falken in Magdeburg zusammen mit anderen Jusos und Gästen ausgeharrt und für einen Wahlsieg von Hillary Clinton gefiebert. Leider wollte die Mehrzahl der Wähler dies nicht.

Benedikt Hoechner, stellv. Juso-Landesvorsitzender

Benedikt Hoechner, stellv. Juso-Landesvorsitzender

Aber, Moment! Stopp! So ganz stimmt das nicht, denn die Mehrheit der 200 Millionen Wahlberechtigten stimmte tatsächlich für Hillary Clinton und nicht für Donald Trump. Die unterschiedlichen Ergebnisse, je nachdem ob man die Wahlmännerstimmen oder die Wählerstimmen zählt werden nun mal wieder angeführt um das US-amerikanische Wahlsystem als altmodisch und undemokratisch zu diskreditieren.

In der Tat ist das System altmodisch, wenn man es so interpretiert, dass im 19. Jahrhundert nicht alle Wähler nach Washington D.C. fahren konnten, um den Präsidenten zu wählen. Stattdessen fuhren eben die Wahlmänner (wir können sie auch Delegierte nennen) hin und wählten. Soweit kann man die Argumentation, dass dieses System altmodisch ist und „popular vote“, also schlichtes Aufsummieren der Stimmen „fairer“ ist, nachvollziehen.

Betrachten wir aber jetzt einmal woher die Zahl 538, also die Zahl der Wahlmänner, eigentlich kommt. Diese Zahl entspricht exakt der Zahl der Kongressmitglieder (435 Mitglieder im Repräsentantenhaus plus 100 Senatoren)plus 3 Wahlmänner für den District of Columbia. In der Gründungsphase der Vereinigten Staaten von Amerika wurden diese zwei Kammern geschaffen, um einerseits jedem Mitgliedsstaat einen Einfluss zu erhalten (Senat) und gleichzeitig die Bevölkerung der einzelnen Staaten mit zu berücksichtigen.

Das heutige Wahlsystem basierend auf Wahlmännern anstelle des „popular vote“ repräsentiert also den Ausgleich der (kulturellen) Unterschiede zwischen den einzelnen Staaten und der Bevölkerungsanzahl. Dieses Wahlsystem ist trotz seinen hohen Alters ein modernes, demokratisches Wahlsystem.

Ein unterschiedliches Ergebnis von „popular vote“ und Wahlmänner-System (electoral college) kann besonders dann stattfinden, wenn es ein sehr knappes Ergebnis beim „popular vote“ gibt. Hier lag Hillary Clinton am Ende um 400.000 Stimmen vor Donald Trump. Beide erhielten etwa 47% aller Stimmen und nur in der Nachkommastelle unterschieden sie sich.

Besonders wir Europäer sollten dieses Wahlsystem nicht nur kritisieren. Denn bei der Wahl des Europaparlaments wenden wir genau dieselbe Logik an. Sehr kleine Staaten wie Malta und Luxemburg bekommen im Vergleich zu ihrer Einwohnerzahl mehr Sitze als die großen Staaten Italien, Frankreich oder Deutschland. Eben dieser Ausgleich zwischen dem Recht eines Staates Einfluss auszuüben auf die überstaatliche Instanz und der Berücksichtigung der Bevölkerung der einzelnen Staaten ermöglicht die politische „Vereinigung“ eines Kontinents. Oder im Falle Amerikas: eben der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika zu werden und nicht der Präsident der Ost- und Westküste.

2 Comments on “Blog-Beitrag über die US-Präsidentenwahl
  1. Pingback: Blog-Beitrag über die US-Präsidentenwahl › SPDBOX

  2. Pingback: Blog-Beitrag über die US-Präsidentenwahl › Karola Schröder, SPD

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.