Noch sind es Worte

 

Florian Uschner, JusoHSG-Mitglied vor dem Magdeburger Landtag 

Florian Uschner, JusoHSG-Mitglied vor dem Magdeburger Landtag

Wenn Worte ausgesprochen werden, dann sind sie wie Projektile, nicht mehr aufzuhalten. Für Worte gibt es keine kugelsicheren Westen. Als Zuschauer im Parlament waren wir diesen Worten schutzlos ausgeliefert. Das was am letzten Freitag in der aktuellen Debatte im Landtag gesagt wurde, hat uns nicht nur betroffen, sondern auch getroffen. Das was Herr Poggenburg dort gesagt hat, erfüllt uns mit Ekel und mit Fremdscham. Weiterlesen

Nie Wieder!

Die Forderung, daß Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung. Sie geht so sehr jeglicher anderen voran, daß ich weder glaube, sie begründen zu müssen noch zu sollen.“ (Theodor W. Adorno)

Immer wenn sich die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz jährt, wird in Reden geschworen, dass Auschwitz nie wieder sei. Auschwitz steht exemplarisch für den Massenmord an Jüdinnen und Juden, an Homosexuellen, Sinti und Roma, an sogenannten Asozialen und politischen Gegnern. Gegenüber dem National Geographic äußerte ein Häftling von Auschwitz einst, dass er sich sicher sei in den Himmel zu kommen, denn in der Hölle sei er schon gewesen.

Darum schwören wir, dass Auschwitz nie wieder sei. Und doch gibt es Menschen, die einen Schlussstrich ziehen wollen unter „die zwölf Unglücksjahre“, wie sie es euphemistisch nennen. Welche Unglücksjahre denn? Das Dritte Reich hatte nichts mit Unglück zu tun. Und auch, dass im Dritten Reich systematisch jene verfolgt wurden, die anders waren oder anders gedacht haben, hatte nichts mit zu wenig Glück oder Unglück zu tun. Die Menschen, die diese Verbrechen begangen haben, wussten was sie taten und viele andere wussten was getan wurde.

Die Aufarbeitung des Holocaust war in den beiden deutschen Staaten ein schwieriger Prozess. In dem, der staatlich verordnet antifaschistisch war, wurde sich stattdessen mit den kommunistischen Widerstandskämpfer*innen beschäftigt. Während es in der demokratischen Bundesrepublik an vielen Stellen in der Politik und Verwaltung aber vor allem in den Sicherheitsbehörden und in der Justiz noch Menschen gab, die stark mit einer nationalsozialistischen Vergangenheit belastet waren. Diese hatten daher kein Interesse sich mit der Frage von individueller und kollektiver Schuld zu beschäftigen. Erst die 68er Bewegung und mutige Menschen wie Fritz Bauer kämpften dagegen an, diesen Zustand des kollektiven Vergessens zu beenden. Wenn auch die juristische Aufarbeitung zu lange und nur bruchstückhaft erfolgte, war es doch ein Anfang, der über die letzten Jahrzehnte fortgeführt wurde. Diese Aufarbeitung ist aber noch lange nicht abgeschlossen und wird vielleicht nie abgeschlossen sein.

Die Aufarbeitung ist nichts wert, wenn wir die Erkenntnisse, die daraus entstehen, nicht zur Erinnerung nutzen und erinnern müssen wir uns. Denn „wer sich nicht an die Geschichte erinnert, ist verdammt sie zu wiederholen“ (George Santayana). Deshalb darf kein Schlussstrich, den es in der Geschichte nie gibt, gezogen werden. Deswegen gilt der Satz „Kein Vergeben, kein Vergessen“ bis heute und muss auch weiter gelten. Wenn ein Mensch wie Björn Höcke die Grenzen des Sagbaren immer weiter nach rechts ausdehnt, dann müssen wir als Jusos, als demokratisch gesinnten Menschen, lauter sein und zeigen, dass wir seinen Worten nicht zustimmen; dass wir nicht schweigen.

Die Würde des Menschen ist unantastbar“ ist der erste Satz des ersten Artikels des Grundgesetzes. Er ist die Grundthese eines friedlichen, demokratischen und solidarischen Zusammenlebens; Auschwitz ist das komplette Gegenteil zu diesem Satz. Lasst uns gemeinsam für Menschenrechte und Demokratie einstehen, heute und an allen anderen Tagen des Jahres.

Damit Auschwitz nie wieder sei!